Langweiliges Getöse. Eintönig, farblos, trist, die grauen Dächer,
die an mir vorbeiziehen. An denen ich vorbeiziehe, zischend. Immer gleiches
Flattern des Hosenbeines, des Futters aus Alpakawolle in der Jackeninnentasche.Sonores Tönen der Sirenen, die ständig hysterischen, sich ein- und untermischenden Schreie machtloser Menschen. Ich entrinne dem Klagen, falle davon weg. Schreite, wenn nicht der Wind weg fräße, was ich versuchte von mir zu lassen.
"Was erwartet mich? Ein Mann mit Bart? Jodelnde Engelschöre? Wahrscheinlich nicht. Vielmehr eine Brut abgefallener Dämonenhorden, deren Chef und Arbeitgeber sich wohl schon tierisch freut, mir bald glühende Eisenstäbe in die Augen zu rammen. Oder in den Hintern. Wer weiß, vielleicht ist der Junge nach Jahrtausenden des Leidverursachens, wir reden immerhin vom versiertesten Profiquäler der Weltgeschichte, inzwischen so gelangweilt und pervertiert, dass er mir die Stoßzähne eines sündigen Elefantenmännchens hinten rein schieben würde. Und zwar so weit, dass meinen Körperflüssigkeiten wohl für ewige Zeiten ein latenter Elfenbeingeruch angehaftet bliebe. Bei dem Gedanken könnte ich schon wieder brechen.."
... Ein Rudel Tauben kommt mir auf Höhe der 12. Etage in horizontaler Manier in die Quere und unterbricht, durchbricht meine Gedanken. Und das auf die abartig-physischste Weise, die man sich vorstellen kann.
"Ich habe diese Viecher immer gehasst. Diese völlig eindimensionalen Ratten der Lüfte. Ratten der Städte. Verdammte Ratten!"
Ich wirble durch die Luft, Gedanken verloren und...
... Jetzt liege ich da. Jedoch nicht mit weit von mir gestreckten Armen und heroisch-selbstgerechtem Gesichtsausdruck, den Blick zum strahlend grauen Himmel gerichtet.
Ich liege dort, kümmerlich gekrümmt zusammengekauert. In meinen eigentlich dem Körper eigenen nun nach Außen tretenden Innereien, die vermutlich bald von Elfenbeingestank durchsetzt sein werden. Das noch erkennbare Auge panisch paralysiert auf den mit Eingeweiden und Gallensaft bedeckten Asphalt fixiert.
Nichts ist besser! Und das letzte, was mir durch den Kopf ging, war eine Ratte.
Bild: Anika Zinsilowski, CC-License(by-nc) (www.jugendfotos.de)




