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Gestraft gekartographt  
Geschrieben von Naby Berdjas am Mittwoch, 21. Oktober 2009

/Poetisch
Geschlaucht hechelt der Kartograph
Zeichnet er rennt weiß nicht wohin
Sehnt sich nach tiefstem Tod auf Zeit
Wo Sand endlich unendlich in Einheit
Mit tickenden diebischen Uhren verrinnt

Bleistifte pieksen, zerreißen die Haut
Stative verdreifacht verdoppeln
Tonne auf Tonne auf Knochen verbaut
Surrende Sonne versengt seine Stoppeln

Skizzen verbleichen zergehen zu Mond
Werden Monaden am seidenen Faden
Von echtem lebendigem Kalkstein entthront

Karten sind Kunst
Sind menschliche Striche
Du zeichnende Galgenmännchenzunft
Die ich – wir alle und du -. verrichte

In knorriger Wüste stirbt Kartographie
Entsetzen – so leblos die Lider
Liter für Liter schon wieder:
Das liebliche Blut der Wir-Phantasie

Bild: Benjamin Quiring

Gestraft gekartographt

Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.


gott * schreibt am 29.11.2009 16:04:
Ich finde dieses Gedicht sehr interessant und glaube, dass es definitiv über eine Art Aura verfügt. Allerdings geht sein immenser Kunstanspruch an bestimmten Stellen ins Leere. Deswegen habe ich als Leser noch bestimmte Sachen auszusetzen. Ich hoffe, du verstehst meine Kritik nicht falsch, sondern kannst sie irgendwie verwerten.



<span style="font-style: italic;">Gestraft gekartographt</span>
...ist als Überschrift sehr gelungen und weckt viele Erwartungen. Umso ärgerlicher, dass es durch die Fortführung der Alliteration („ge...“) erstmal genauso weitergeht. Nimmt dem Titel, rein sprachlich, fast sämtlichen Effekt.
<span style="font-style: italic;">Geschlaucht hechelt der Kartograph </span>
„geschlaucht sein“ ist so eine Redewendung, naja, sie weckt bei mir nichts Sinnliches, lässt kein Bild bezüglich der Art und Weise entstehen, wie der Kartograph denn nun hechelt. Als Attribut also vermutlich redundant.
<span style="font-style: italic;">Zeichnet er rennt weiß nicht wohin</span>
Kommata wären hier eine Wohltat fürs gliedernde Auge. Andererseits kenne ich Gedichte von Benn, wo er vergleichbar vorgeht. Also Schwamm drüber, Expression!
<span style="font-style: italic;">Sehnt sich nach tiefstem Tod auf Zeit</span>
hübsche Alliterationen, aber „Tod auf Zeit“? Ein Paradox, das ich nicht verstehe. Ist das fürs Folgende von Bedeutung?
<span style="font-style: italic;">Wo Sand endlich unendlich in Einheit</span>
an sich kaum der Bezeichnung Oxymoron wert, wird aber dadurch überzeugendes Sprachspiel, dass die Adverbien „endlich/unendlich“ verschiedene Bezüge eingehen.
<span style="font-style: italic;">Mit tickenden diebischen Uhren verrinnt </span>
Der Rhythmus lässt tatsächlich das Gefühl einer gleichmäßig tickenden Uhr entstehen. Bei diesem einigermaßen surrealistischen Bild muss ich irgendwie an Dalí denken...

<span style="font-style: italic;">Bleistifte pieksen, zerreißen die Haut </span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">Stative verdreifacht verdoppeln </span>
Daraus werde ich nicht schlau. Ist mit „verdoppeln“ der Vorgang der Reproduktion gemeint? Warum das aber „verdreifacht“? Weil Stative auf drei Füßen stehen? Aber darum sind sie ja nicht gleich verdreifacht. Da „verdoppeln“ transitiv gebraucht ist, folgt der jetzt das entsprechende Akk.-Objekt,...
<span style="font-style: italic;">Tonne auf Tonne auf Knochen verbaut</span>
...das den gesamten Vers beinhaltet. Offenbar handelt sich um Gebäude, anders wüsste ich diese „verbauten Tonnen“ nicht zu deuten. „Tonne“ wohl eher als Maßeinheit, nicht als zylindrischer Körper. Warum „auf Knochen verbaut“? „Knochenarbeit“ fällt mir dazu ein, also Sklaverei. Ist das hier gemeint?
<span style="font-style: italic;">Surrende Sonne versengt seine Stoppeln</span>
Irgendwie schief, das Bild. Erstmal gibt die Sonne ja keine Geräusche von sich, jedenfalls nicht so, dass das auf der Erde hörbar wäre. Allein über die Alliteration funktioniert das jedenfalls nicht, das muss schon plausibel werden. Dass die Hitze die Stoppeln ankokelt, finde ich übertrieben! man sollte da an Pathos herausnehmen.


<span style="font-style: italic;">Skizzen verbleichen zergehen zu Mond</span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">Werden Monaden am seidenen Faden</span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">Von echtem lebendigem Kalkstein entthront</span>
Finde ich persönlich die schönsten Verse in diesem Gedicht, gleichsam die gelungensten. Toll der Binnenreim „Monaden-Faden“!

<span style="font-style: italic;">Karten sind Kunst</span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">Sind menschliche Striche </span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">Du zeichnende Galgenmännch

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